Havanna: die neue Kunst Ruinen zu bauen

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“Havanna – die neue Kunst Ruinen zu bauen” ist ein Dokumentarfilm des Regisseurs Florian Borchmeyer, der bis dahin nicht durch andere Filme auffiel. Der Produzent Matthias Hentschler hingegen hatte bereits zuvor, im Jahr 1998, eine Dokumentation in Kuba gedreht – “TechnoSalsa”. Wie sich schon aufgrund dieses Titels vermuten lässt, hat Hentschel auch einige Porträts der Technoszene verwirklicht, darunter auch auf der Love Parade. Borchmeyer und Hentschel hatten sich zudem während der Dreharbeiten zu “TechnoSalsa” kennengelernt und mit “Havanna – die neue Kunst Ruinen zu bauen” ihr eigenes und gemeinsames Projekt mit der deutschen Produktion realisiert.

Havanna: die neue Kunst Ruinen zu bauen

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Nicht alles, was glänzt, ist Gold Wer an Kuba denkt, dem kommt wohl zunächst das tropische Flair, gemischt mit spanischen Klängen, in den Sinn. Aber auch die alten amerikanischen Straßenkreuzer sind ein typisches Bild, das mit Kuba und dessen Hauptstadt Havanna assoziiert wird. Wer dabei schon einmal die Möglichkeit hatte, einen solch stolzen amerikanischen Oldtimer in Havanna aus der Nähe zu betrachten, wird schnell gemerkt haben, dass so gut wie nichts mehr original ist außer der ursprünglichen Form des Automobils. Motor, Getriebe, ja selbst Interieur und Armaturen mussten meist russischen Ersatzteilen weichen. Der Schein trügt also. Ähnlich verhält es sich auch mit der Dokumentation “Havanna – die neue Kunst Ruinen zu bauen”, nur dass hier die einst prächtigen Kolonialbauten und späteren “sozialistischen” Wohnsilos im Fokus stehen.

Havanna Ruinen

Havanna – die neue Kunst Ruinen zu bauen – ein Titel ist Programm Noch strahlen gerade die Gebäude aus besseren Kolonialzeiten Prunk und Luxus aus. Doch betrachtet man die Bauten etwas genauer, lässt sich schnell erkennen, dass es sich um echte Ruinen handelt. Um Ruinen, die auch vom Einsturz bedroht sind. Und es ist in Havanna an der Tagesordnung, dass solche Gebäude wirklich einstürzen und das dann auch Menschen ihr Leben kostet. Doch statt nur die Gebäude selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sucht sich Borchmeyer typische Kubaner, die in solchen Häusern leben müssen und damit mit der permanenten Einsturzgefahr. Der Film zeigt, wie diese Menschen damit umgehen: manch einer versucht es mit Ironie und Sarkasmus zu sehen, andere wie Nicanor del Campo wollen den Sozialismus auch jetzt noch nicht wahrhaben und versuchen es mit dem Verdrängen und Aufbauen einer eigenen kleinen, heilen Welt. Aber auch Misleidys, einst mit einem Millionär verheiratet und in früheren Jahren den Drogen verfallen, sehnt sich den alten Glanz der besseren Zeit herbei.

havannas Ruinen

Preisgekrönte Dokumentation über Kuba und dessen Hauptstadt Havanna

havanna & Ruinen Mit seinem Dokumentarfilm “Havanna – die neue Kunst Ruinen zu bauen” scheint es Florian Borchmeyer gut auf den Punkt gebracht zu haben. Auf einer Gratwanderung zwischen sozialer Real-Analyse und Ironie bringt er dem Zuschauer ein Kuba und dessen Hauptstadt Havanna in einer Weise näher, wie man es als Tourist oder Leser eines Artikels über den Inselstaat noch nicht betrachtet hat. Wirken die Gebäude im Vorbeigehen und Bestaunen als Tourist oder in Magazinen immer noch ausdrucksvoll und imposant, wird dem Zuschauer in der Dokumentation plötzlich vor Augen geführt, dass das nur sehr wenig mit Romantik zu tun haben kann, hier leben zu müssen. Dafür wurde “Havanna – die neue Kunst Ruinen zu bauen” auch mit dem Bayrischen Filmpreis sowie dem Medienpreis für Menschenrechte in Kuba ausgezeichnet.