Edificio Arbos


In den 20’er Jahren war das neunstöckige Arbos-Gebäude im Stadtteil Centro Habana eine der großen Mietskasernen Havannas, erbaut 1926 mit einer Fassade in einem prunkvoll-historischen Stil. Um einen Zentralhof mit umlaufender Brüstung angelegt, der dem Hauwart mit einem Blick Übersicht über das ganze Gebäude geben konnte, ähnelt seine Konstruktion von innen zugleich ein wenig den großen Gefängnissen des 19. Jahrhunderts. Gefängnisartig war vor der Revolution auch die Mietordnung: Paare mit Kindern wurden nicht zugelassen, und wer sich im Treppenhaus aufhielt, laut Musik hörte oder die Nachbarn durch unsoliden Lebenswandel belästigte, mußte mit fristloser Kündigung rechnen. Auf Instandhaltung und Ordnung wurde peinlich gepocht.


Nach dem Tod des letzten vorrevolutionären Hauswarts, der das Gebäude weiterhin bis 1970 leitet, war mit der drakonischen Disziplin ein Ende. Heute toben Kinder kreischend um die Balustrade des Innenhofs, dröhnt laute Salsamusik aus den Wohnungen, sitzen Betrunkene oder Monopolyspielende Jugendliche auf  den Gängen. Wenngleich auch keine Ruine im klassischen Sinne und noch vollständig bewohnt, ist das Edificio Arbos heute stark ramponiert: Teile des Daches stürzen auf die Straße, und jede Fahrt mit dem vorsintflutlichen Lift ist ein wahres Abenteuer...