Hotel Regina
Direkt hinter Havannas monumentalem Kapitol und dem „Gran Teatro García Lorca“, dessen große Engel auf dem Dachfirst man von den oberen Stockwerken aus sieht, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Hotel Regina erbaut. Durch seine zentrale Lage war es einst ein Ort, in dem sich besonders Durchgangsreisende aufhielten – insbesondere Geschäftsreisende und viele Stars der Epoche, die in einem der nahegelegenen Theater ein Gastspiel gaben.
Im Erdgeschoß der Hotels befand sich der legendäre „Tony Club“ (von manchen auch „Johnny Club“ genannt), eine Bar mit Nonstop-Betrieb, die dadurch insbesondere unter Nachtschwärmern der frühen Morgenstunden eine berühmte Institution und für ihre ausgelassene Tanzatmosphäre bekannt war. Im obersten Stock, mit Panoramablick über die ganze Stadt, lag die Luxussuite des Hotels.
Wenig ist von alledem übrig. An der Stelle der glamourösen Bar findet sich heute eine schäbige, übelreichende Cafeteria, wo man tagsüber kalte Kroketten und Kichererbsen-Kaffee konsumieren kann. Das Hotel hörte kurz nach der Revolution auf zu existieren – mangels internationaler Gäste. Die Zimmer wurden in feste Unterkünfte umgewandelt, meist für aus den Ostprovinzen Zugezogene. Die Fahrstühle gaben ihren Geist auf und stürzten ab. Das Dach ist so löcherig, daß es an Regentagen im Inneren regnet wie in einem Film von Tarkowskij. Wie im Kurzfilm der cubanischen Regisseurin Sandra Gómez zu sehen ist, der wenige Monate später am selben Ort gedreht wurde, ist das Regina inzwischen wegen akuter Einsturzgefahr evakuiert worden.
